Interview mit Stephan Ottersbach, Geschäftsführer RS safetec, zu den Anforderungen im Tunnelbau.
Bauprovisorien sind im Tunnelbau unverzichtbar: Sie sorgen dafür, dass unter Tage gearbeitet, kommuniziert und im Ernstfall reagiert werden kann. RS safetec ist in diesem Umfeld seit vielen Jahren Spezialistin für Sicherheits- und Kommunikationstechnik. Wir sprechen mit Geschäftsführer Stephan Ottersbach darüber, welche Anforderungen Tunnelbaustellen stellen – und wie moderne Provisorien mit Digitalisierungsschub Schritt halten.
Welche Rolle übernimmt RS safetec generell im Tunnelbau?
Wir sind im Grunde der Totalunternehmer für die Kommunikations- und Sicherheitstechnik – von den ersten Stunden des Tunnelrohbaus bis zur Inbetriebnahme. Unser Vorteil: alles aus einer Hand. Das reduziert Schnittstellen und stellt sicher, dass Systeme zuverlässig ineinandergreifen.
Was versteht man unter Bauprovisorien im Tunnel – und warum sind sie so zentral?
Bauprovisorien sind die temporären Anlagen, ohne die unter Tage gar nicht gebaut werden könnte: Strom, Beleuchtung, Lüftung, Kommunikationssysteme, Ortung. Sie schaffen die Grundlage für einen sicheren, technisch stabilen und effizienten Baustellenbetrieb.
Welche besonderen Anforderungen stellt der Tunnelbau dabei?
Im Untertagebereich gibt es meist nur wenige Zugänge und lange Wege. Das macht Logistik und Installation komplexer. Gleichzeitig müssen Systeme autonom funktionieren – etwa bei einem Stromausfall – und im Ereignisfall verlässliche Kommunikation ermöglichen. Zudem ist die datentechnische Vernetzung anspruchsvoller. Die Leitstelle muss jederzeit wissen, wo sich Personen oder Fahrzeuge befinden und wie eine Evakuierung ablaufen kann.
Wie stellt RS safetec sicher, dass Tunnelbaustellen optimal ausgestattet sind?
Der wichtigste Faktor ist die Kommunikation. Im Regelbetrieb wie im Ereignisfall müssen alle Beteiligten miteinander und mit der Leitstelle sprechen können. Wir setzen dafür auf ein breites Spektrum: von Notruftelefonen über WLAN und Funk (analog/digital) bis zu GSM/LTE-Lösungen. Ergänzend bieten wir Ortungssysteme für Personen und Fahrzeuge, die im Notfall ein Lagebild liefern. Für Rettungskräfte ist das essenziell.
Verändern sich die Anforderungen im Projektverlauf?
In den Bauphasen bleiben die Grundbedürfnisse ähnlich, aber mit dem Übergang in die Ausrüstung kommen zusätzliche Bereiche hinzu: Technikräume, Querschläge oder neue Gewerke. Die Koordination wird komplexer. Bei den langen Laufzeiten vieler Tunnelprojekte ist es wichtig, die Verfügbarkeit einzelner Komponenten frühzeitig mitzudenken und flexibel reagieren zu können.
Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Bauprovisorien aus?
Ganz klar: Die Anforderungen steigen. Heute erwartet man, auch im Tunnel sein Smartphone nutzen zu können. Gleichzeitig wächst der Bedarf an leistungsfähiger Datenübertragung – besonders beim Einsatz von Video, Sensorik oder der Integration von Lüftungs- und Torsystemen. TETRA, LTE/5G, automatisierte Überwachung oder autonome Logistiklösungen werden zunehmend Standard.
Gab es ein Projekt, das für Sie besonders prägend war?
Definitiv die Unterinntaltrasse für die ARGE Alptransit Brenner. Dort haben wir erstmals erkannt, wie viele Schnittstellen es im Bereich Bauprovisorien gibt – und haben eine Gesamtlösung angeboten. Aus diesem erfolgreichen Ansatz entstand die heutige RS Safetec. Anschließend ging es direkt weiter zum Brenner Basistunnel, wo wir bis heute tätig sind.
Welche Trends sehen Sie für die kommenden Jahre?
Die permanente Überwachung – etwa der Luftqualität – wird weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Daten- und Sprachkommunikation. TETRA und LTE/5G werden hier eine zentrale Rolle spielen. Auch die Automatisierung und KI-Erkennung nimmt Fahrt auf: von Robotik bis zu autonomen Logistiksystemen.